Von Trainer zu Trainer

Mit Prinzip ganz einfach. Gedanken von Robert Richter zur umsetzungsorientierten Videoanalyse

"Heute wieder Video!" und "Ist ja ganz nett, schön dunkel und ich kann mich entspannt zurücklehnen, vielleicht ist ja auch was für mich dabei und ganz vielleicht bin ich dieses Mal auch endlich in einer Szene zu sehen ... oder wieder nur von den Topspielern aus der 1. Mannschaft?"

Dieses Feedback haben wahrscheinlich einige von uns Trainern, die wir auch im Jugendbereich arbeiten, schon bekommen, gerade von Spieler:innen, die es
zwar schon in den Trainingskader geschafft haben, aber bei den top Matches noch nicht mit auflaufen. Ich auf jeden Fall ... :/

Wie cool wäre es aber, wenn auch der/die 17. Spieler:in im Kader nach dem Training sagt: "Das Video hat mir total geholfen, mich in der Spielform zu orientieren und erfolgreich zu entscheiden. Das gibt mir Selbstvertrauen für mein Spiel!"
Gerade in der Performance-Phase gilt es, mehr als nur einzelne Aspekte des Spiels in den Blick zu nehmen, eigene Stärken in der Breite weiter zu stärken und Schwächen fokussiert zu reduzieren.

Die im Video verwendeten Begriffe werden im Glossar erläutert.

Mein Tipp: Analysen möglichst knapp, interaktiv und handlungsorientiert gestalten:

  1. Knapp halten, indem wir 3 bis max. 7 Szenen behandeln und jeweils klar vorab den Fokus, die relevanten vertrauten Prinzipien, benennen
  2. Interaktiv, indem die Spieler:innen prinzipienorientiert selber Lösungsvorschläge präsentieren.
  3. Umsetzungsorientiert, indem die Übungs- und Spielformen im späteren Stockteil die am Video besprochenen Spielprinzipien und ggf. sogar die Spielkonstellationen wieder aufgreifen und die Ergebnisse der Videosession direkt mit in das Coaching und die Feedbackschleifen in der Praxis einfließen.

Das zentrale Tool für diese Verknüpfung ist das Analyseschema, das neben den Events auch Label für die Spielprinzipien beeinhalten sollte, auf denen das eigene Spielmodell basiert. Der Schema-Assistent von Athlyzer ist dafür das perfekte, intuitive Tool!
Spielprinzipien verstehe ich als Richtlinien und Orientierung, die einen auf dem Platz ermächtigen, wirksam zu entscheiden und zu handeln - und die sie auch als Coaching-Codes immer wieder unterstützen. 
Sind die Spieler:innen mit ihrem Prinzipienset aus Workshops, Besprechungen, Analysen und vor allem aus den Coachings in Training und Spiel vertraut, dann zieht auch unsere Nummer 17 leicht einen direkten Mehrwert für sich aus der Besprechung der Szenen der Mitspieler:innen. Und gegen Ende einer Saison können dann auch, wie in dem obigen Video-Beispiel, 15 synapsenglühende Videominuten mit einer U14 schon auf einem differenzierten taktischen Niveau und in einem rasanten Tempo stattfinden.
Ergänzend noch ein Tipp eines Kollegen, der mir im Jugendbereich sehr weiterhilft.
Schneidet doch - prinzipienorientiert - Szenen Eures Nachwuchsteams und analoge Szenen von absoluten Topmannschaften hintereinander - eine Rieseninspiration und ein wahrer Lernbooster für die Youngsters.